In einer bemerkenswerten politischen Wende hat der Kandidat der Grünen, Dominik Krause, die Oberbürgermeisterwahl in München gewonnen. In der Stichwahl setzte er sich überraschend gegen den amtierenden Oberbürgermeister Dieter Reiter durch und erzielte damit ein historisches Ergebnis: Erstmals übernimmt ein Vertreter der Grünen das höchste Amt der bayerischen Landeshauptstadt.
Nach dem endgültigen Wahlergebnis erhielt Krause 56,4 Prozent der Stimmen, während Reiter auf 43,6 Prozent kam. Der Ausgang galt lange als offen, wurde jedoch von vielen Beobachtern zugunsten des Amtsinhabers erwartet. Mit diesem Sieg steigt Krause vom bisherigen Vizebürgermeister zum Stadtoberhaupt auf – ein politischer Durchbruch in einer der bedeutendsten Städte Deutschlands.
Bei seiner Siegesrede bezeichnete Krause das Ergebnis als „historisch“ und „überraschend“. Er dankte den Wählerinnen und Wählern für das entgegengebrachte Vertrauen und betonte, dass er sich für ein „offenes und vielfältiges München“ einsetzen wolle. Damit unterstrich er seine gesellschaftspolitischen und integrationsorientierten Positionen.
Der 35-jährige Politiker sorgte in der Vergangenheit für Kontroversen, als er das weltbekannte Oktoberfest als „größten offenen Drogenkonsumplatz der Welt“ bezeichnete. Die Aussage löste breite Kritik aus. Ironischerweise wird er nun als erster grüner Oberbürgermeister das traditionsreiche Fest eröffnen und dessen offizielle Abläufe verantworten.
Trotz eines intensiven Wahlkampfs setzte Krause auf einen sachlichen und respektvollen Ton. Persönliche Angriffe auf seinen Kontrahenten vermied er bewusst – selbst angesichts politischer und administrativer Kritik an Reiter. Mehrfach betonte er den gegenseitigen Respekt und die bisherige Zusammenarbeit.
Nach der Bekanntgabe der Ergebnisse bedankte sich Krause bei Reiter und erklärte, der Wahlkampf habe gezeigt, „wie Politik sein kann“. Reiter wiederum erkannte seine Niederlage an und verabschiedet sich nach einer Amtszeit seit 2014 aus der Führung der Stadt.
Inhaltlich stellte Krause während seines Wahlkampfs vor allem die Wohnungsfrage in den Mittelpunkt. Er kündigte den Bau von rund 50.000 neuen Wohnungen an, versprach eine Beschleunigung der Verwaltungsprozesse sowie den Ausbau nachhaltiger Verkehrskonzepte – unter dem Motto: „Es geht mehr“.
Krause gehört zu einer neuen Generation von Politikern in Deutschland. Der ausgebildete Physiker ist seit 2014 Mitglied des Münchner Stadtrats und gilt als unabhängig denkend – auch innerhalb seiner eigenen Partei. So sorgte er parteiintern für Diskussionen, als er sich für eine mögliche Olympiabewerbung Münchens aussprach.
Auch privat steht Krause für Offenheit: Er lebt mit seinem Partner, einem Arzt, in München und geht offen mit seiner Identität um. Mit einem Augenzwinkern bezeichnet er sich selbst gelegentlich als „Bürgaymeister“.
Politische Beobachter sehen in seinem Wahlsieg ein Zeichen für tiefgreifende Veränderungen im politischen Klima deutscher Großstädte. Der wachsende Einfluss grüner und liberaler Kräfte auf Kosten traditioneller Parteien könnte langfristig Auswirkungen auf die politische Landschaft in ganz Deutschland haben.
Mohamad Alhussein