Der ehemalige britische Premierminister Boris Johnson hat Details aus der Hochphase der Corona-Pandemie offengelegt, die für Aufsehen sorgen. Demnach wurde im Jahr 2021 intern die Möglichkeit einer begrenzten militärischen Operation in den Niederlanden diskutiert, um an dringend benötigte Impfstofflieferungen zu gelangen.
Laut seinen Aussagen bezog sich die Überlegung auf eine mögliche „Spezialoperation“ in der Stadt Leiden, wo ein Werk des Pharmakonzerns AstraZeneca zentrale Bestandteile des Corona-Impfstoffs produzierte.
Lieferkonflikt zwischen Großbritannien und der EU
Hintergrund war ein eskalierender Streit zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union über die Verteilung von Impfstoffen. Während Großbritannien frühzeitig Verträge abschloss und seine Impfkampagne schnell vorantrieb, kämpfte die EU mit Lieferengpässen.
Die European Commission reagierte darauf mit Exportkontrollen für innerhalb der EU produzierte Impfstoffe. Diese Maßnahmen führten dazu, dass erwartete Lieferungen nach Großbritannien blockiert oder verzögert wurden.
Deutschland und Frankreich als treibende Kräfte
Insbesondere Deutschland und Frankreich spielten eine zentrale Rolle bei der Durchsetzung dieser Politik. Die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel setzte sich für eine Priorisierung der EU-Mitgliedstaaten ein.
Auch der französische Präsident Emmanuel Macron übte scharfe Kritik an AstraZeneca und forderte die Einhaltung vertraglicher Lieferzusagen gegenüber der EU.
Militärische Option verworfen
Obwohl britische Militärs die grundsätzliche Durchführbarkeit einer solchen Operation prüften, wurde schnell deutlich, dass die politischen Risiken enorm gewesen wären. Die Niederlande sind Mitglied der NATO, sodass ein militärisches Vorgehen als schwerwiegende Eskalation zwischen Verbündeten gewertet worden wäre.
Die Pläne wurden letztlich nicht umgesetzt und intern verworfen. Dennoch geben die Enthüllungen einen seltenen Einblick in den enormen Druck und die geopolitischen Spannungen während der Pandemie.
Die Aussagen von Johnson verdeutlichen, wie weit Regierungen in der globalen Impfstoffkrise zu gehen bereit waren – und wie nah selbst enge Partner in Europa zeitweise an einer ernsthaften politischen Konfrontation standen.
M. Alhussein